Maikaefer's Weblog


Elektroniktempel und Einkaufsparadies
August 22, 2009, 4:35 pm
Filed under: Japan - wir kommen... | Schlagwörter: , , , , , , ,

bic-cameraWir brauchen dringend Staubsaugerbeutel für den knapp spielzeuggroßen Toshiba-Sauger, den wir von anderen Gaijins [Wikipedia sagt hierzu: „Der Gaijin (jap. 外人, wörtlich: Mensch von draußen; auch 外国人 Gaikokujin, dt. Ausländer) ist ein in Japan lebender oder reisender Ausländer.“], die wieder zurück nach Hamburg gezogen sind, übernommen haben. Nach diversen erfolglosen Versuchen, diese Beutel in Departementstores, Einkaufsläden etc. zu erwerben, machen wir uns heute auf in die City von Tokio. Mit der Hiro-Linie geht es nach Hibiya und von dort wenige Minuten zu Fuß nach Yūrakuchō und zu dem direkt am Bahnhof liegenden dreieckigen Gebäude von Bic Camera – einem Elektroniktempel, der keine Wünsche offen lässt und immer mit dem neuesten Schnickschnack aufwartet… Das U-Bahnfahren ist leichter als der erste Eindruck vermuten lässt. Mit den Kanji für die entsprechende Haltestelle im Gepäck ist es sogar extrem einfach. Am Eingang des Bahnhofes ein Ticket am Automaten ziehen, die wichtigsten Linien sind schematisch abgebildet, für Transferstrecken gibt es zwar lediglich kryptische Abbildungen, die aber schnell durchschaut sind. Da es verschiedene Netze von unterschiedlichen Anbietern gibt, ist solch ein Transferticket mitunter erforderlich. Das Ticket wird in den Eingangsautomaten mit dem Pfeil nach vorne gesteckt und und nach dem Durchgehen wieder am Ende ausgespuckt. Dieses Ticket unbedingt gut aufbewahren, da es am Ausgang des Zielbahnhofes benötigt wird!

Wir waren heute auf der grauen Linie (Hiro-Linie oder Tokyo Metro Hibiya Line) unterwegs. Alle Haltestellen sind durchnummeriert und im Bahnhof jeweils abwechselnd in schlichten grafischen Symbolen in Kanji und in Englisch ausgeschildert. Hibiya ist der Halt mit der No.7. Oben am Treppenabsatz des U-Bahnschachtes ist man plötzlich mitten im Moloch Tokyo angelangt und umringt von Menschenmassen. Das mehrgeschossige Gebäude des Elektronikladens ist bereits von weitem sichtbar und die vor dem Eingang postierten Verkäufer preisen über Mikrofone und Lautsprecher in metallischem Singsang laut ihre Angebotsware feil. Der Renner sind anscheinend i-Phones und andere bunte Handys sowie Computerspiele. Im Untergeschoss werden wir fündig und von einem freundlichen japanischen Verkäufer in englisch ausführlich beraten. Seine gebetsmühlenartig wiederholende Floskel „all the same size“ (nachdem wir ihm erst die Vokabel für ‚Größe‘ anhand seiner stotternden Versuche und Handbewegungen beigebracht haben) auf unsere Frage, welchen der vielen Beutel für unser Gerät passend sei – alle Staubsaugermarken sind hier schön präsentiert und jede hat seine eigene Batterie an diversen Beuteln in unterschiedlichen Farben und Packungsgrößen – wollen wir nicht ganz trauen und so entscheiden wir uns für jede Packung und nehmen alle einmal mit. Bei Preisen von 550 und 800 Yen pro Packung scheint es ein vertretbares Risiko. Nun sollen noch ein paar Stecker-Adapter eingekauft werden und wir statten der Mac-Abteilung im fünften Stockwerk einen Besuch ab. Hier hüpft mein Computerherz höher und bei den günstigen Preisen werden wir wahrscheinlich häufiger hier vorbeischauen… Uns fallen im Vorbeigehen noch die roboterartigen Personenwaagen auf, die zu Hauf in den Regalen liegen und, so wollen es uns die Videos über den Produkten weissmachen, absolut alles können, von der banalen Angabe des Körpergewichtes bis hin zum Fitnessgrad einzelner Körperteile, Ermahnungen für die gesunde Ernährung und dem Anleiten zu einzelnen Übungen mittels dem integrierten Heimtrainer. Auf dem Weg zur Rolltreppe kommen wir an einem einer Reihe junger Mädchen vorbei, die vor Daddelmaschinen auf Stühlen, die wie Reitsättel aussehen, schaukeln und allem Anschein nach die neuesten Pferde-Computerspiele testen. Spontan geht mir eine Zeile aus meinem Tourismusführer durch den Kopf, in der es heisst, die Japaner seien ja sehr große Naturliebhaber… Alles um uns herum schreit seit unserer Ankunft nach Plastik, Elektronik, Umweltsünden durch Klimaanlagen und Stromverschwendung pur und mit Ausnahme der Bäume, Grünstreifen und Parks können wir noch nichts entdecken, das diese Aussage unterstützt.

Raus aus dem Hochhaus und hinein in das Straßengwühl in Richtung Ginza, dass nur ein Katzensprung entfernt ist. Es ist schwülwarm und der Gerüch in den Straßen ist unangenehm. Wir flüchten in das nächste ansprechende Geschäft – Muji in Ginza, der größte Komplex dieser Firma, die alles verkauft von hübschen und zeitlosen Küchengegenständen über Kleidung bis hin zu Vorhängen, Lebensmitteln und Nippes für das Haus. Uns gefällt der Stil des Ladens und der Waren sehr, alles ist in Naturtönen gehalten und besticht durch funktionales Design. Muji ist schon bei unserem ersten Besuch in Tokyo, da war es der Shop in Jiyugoako gewesen, positiv aufgefallen. Die Preise sind nicht ganz wie bei IKEA aber erscheinen vertretbar, ohne allzu große Löcher in der Haushaltskasse zu hinterlassen. Am Ende der Rolltreppe sehen wir beim Verlassen des Muji-Ladens einen Blumenladen, der u.a. auch Petersilie anbietet. Ginza, das im Bezirk Cho-ku liegt, gefällt uns sehr. Moderne Architektur, eine große Auswahl an Läden und Departmentstores und buntes Kulturangebot auf den Plätzen, hier lässt es sich gut einkaufen. Nach unserem Ausflug nach Roppongi vor wenigen Tagen, der sich trotz aller Anpreisungen in unterschiedlichen Touri-Führern, als Reinfall erwies, sind wir von dem Angebot in Ginza begeistert. Vorbeikommend an einer kleinen Gruppe, die Bauchtanz in hawaiianisch anmutendenen Kleidern und zu Trommelschlägen vorführen, tauchen wir ab in das U-Bahnnetz von Ginza. Entlang unterirdischer Passagen und durch ein spinnennetzähnlichem Gewirr an Gängen, Treppen, Rolltreppen und weiteren Verzweigungen kommen wir nach etlichen Minuten unter der Erde und immer tiefer absteigenden Stufen wieder am Bahnhof Hibiya raus. Mittlerweile routiniert steigen wir in die Bahn in Richtung Nakaga-Meguro ein. Dort müssen wir umsteigen in die Tōkyū Tōyoko-Linie (jap. 東急東横線, Tōkyū Tōyoko-sen) nach Denenchofu. Um noch einmal auf das Prinzip des Bahnfahrens in Tokio zurückzukommen: Wer sich beim Ticketautomaten vertan hat und fälschlicherweise den falschen Preis gedrückt hat, kann am Zielbahnhof einfach sein Ticket aufwerten und kommt dann aus dem Ausgangs-bez. Eingangsautomaten heraus – diesmal behält dieser das Ticket allerdings ein…


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