Maikaefer's Weblog


Umzug zweiter Teil
August 26, 2009, 2:46 am
Filed under: Japan - wir kommen... | Schlagwörter: , , , , , , ,

Morgens 8:44 Uhr – die für neun Uhr angekündigten zwei Lastwagen mit unseren Möbeln aus dem Container stehen vor der Tür. Nach umständlichen Entschuldigungen dafür, dass die Möbelmenschen so früh auf der Matte stehen, geht es los. Ich bekomme eine Liste mit allen Umzugskartonnummern aus dem Container in die Hand gedrückt und an mir vorbei rauschen im Sekundentakt abwechselnd die sechs Mitarbeiter der Santa Fe Company. Meine Aufgabe besteht darin, die Nummer der Kartons auf meiner Liste abzuhaken und den Inhalt den Zimmern zuzuordnen. Das erweist sich nicht immer als einfach, da die handschriftlichen Angaben der deutschen Möbelpacker mitunter schwer zu lesen sind, die Kartons z.T. Gegenstände aus verschiedenen Zimmern beinhalten und, was das ganze komplizierter werden lässt, nicht alles deiselbe Zuordnung erfährt, wie es in Deutschland der Fall gewesen ist (das Bett aus unserem Schlafzimmer soll ins Gästezimmer, der Inhalt aus unserem Lesezimmer wurde mit Office angegeben, viele Möbel haben wir für Japan neu unter den Familienmitgliedern aufgeteilt, damit alles passt…). Der eine und andere Karton muss an der Haustür geöffnet werden, bevor ich entscheiden kann, in welches Zimmer die Möbelpacker ihn tragen sollen. Die ständige, sehr unterwürfige Anrede mit „Madam“ durch den Teamleiter ist sehr gewöhnungsbedürftig und gibt mir das Gefühl, zurückgebeamt worden zu sein in Kolonialzeiten… Mir schwirrt der Kopf bei dem Tempo, dass die Arbeiter vorlegen. Eine kurze Frühstückspause wird eingelegt und bereits nach zwei Stunden, genau um 10:44 Uhr, sind beide Vans lehr und alle Möbel stehen im Haus. Heimlich überprüfen wir bereits unsere Vorräte an Mückspray, da die ganze Zeit die Tür und die Terrassentür sperrangelweit offen stehen. Jetzt sind wir alle an allen Fronten gefragt. Wo soll das Bett hin, wie wird dieses zusammengebaut, welcher Karton ist falsch zugeordnet und wo, um Himmels willen, soll der ganze Krempel überhaupt hin. Zum Glück sind die Santa-Fe-Mitarbeiter sehr flink und auf Zack, schnell ist alles aufgestellt und alle Kartons werden ausgepackt. Berge von Umzugskartons mit der Aufschrift „Schuhe“ türmen sich im Garderoberaum direkt neben der Haustür. Wo, verdammt noch mal, soll all der Krempel untergebracht werden und wie konnten wir soviel stuff nur in unserem alten Haus unterbringen, dass doch ein paar Quadratmeter weniger Fläche zur Verfügung hatte??? Bereits um halb drei Uhr Nachmittags ist alles geschafft und die abschließende Inspektion für eventuelle Schäden steht als letztes auf dem Plan: neun Gläser, zwei Müslischalen, eine Teetasse (gerade ein Einzelexemplar vom Kellinghusener Töpfermarkt, meine Lieblingstasse ;o(((, zwei Bilderrahmen und drei Pflanztöpfe sind zu Bruch gegangen. Einige Dinge haben sichtlich an der Hitze während der letzten Wochen gelitten: Der Honig, eigentlich ein gutes norddeutsches Imkerprodukt von Hans-Joachim Hasselmann aus Föhrden-Barl, sieht jetzt aus wie Langnese-Flüssighonig aus dem Supermarkt. Unsere Handmade-Seife aus Quickborn, gekauft auf dem Kellinghusener Weihnachtsmarkt und als Deko für das Badezimmer gedacht, da ihn witziger Optik und Tortenform, hat die Farben geändert aufgrund der Temperaturen und sieht ein bischen deformiert aus.

Obwohl eigentlich zwei Tage für den Umzug vor Ort in Japan eingeplant waren (Dienstag und Mittwoch), ist alles sehr schnell gegangen. Die abschließende Bewertung für die Arbeiter von Santa Fe, die noch auszufüllende Liste, kann ich guten Gewissens mit Bestnoten versehen. Neben mir steht der Teamleiter und hüpft vor Freude auf der Stelle. Meine Bemerkung, dass ich den Punkt „saubere Kleidung und Tragen der Uniform“ nicht auswerten könne, da er ja keine trüge, bringt ihn sichtlich in Verlegenheit. Umständliche Erklärungsversuche auf japanisch und im Stotter-Englisch, obwohl er zuvor fließend Englisch sprach, er hätte aufgrund der Temperaturen sein verschwitztes Firmenshirt gegen ein frisches T-Shirt gewechselt, löse ich zu seiner Erleichterung auf, indem ich erkläre „it’s a joke“. Zum Abschied werden noch ein paar höffliche Worte gewechselt und als ich erkläre, dass wir in drei Jahren vielleicht wieder die Dienste der Möbelpacker benötigten und wir bis dahin vielleicht dazu gekonmmen wären, allen Krempel im Haus zu verstauen, schaut mich der Teamleiter zunächst wieder irritiert an – dann ein verständnisvolles Lächeln und seine Erkenntnis „it’s a joke“… diese Gajin…


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