Maikaefer's Weblog


Werbeflut – Ersticken im täglichen Printschrott
September 22, 2009, 11:36 pm
Filed under: Japan - wir kommen...

werbeflut_kleinIn den ersten fünf Wochen seit unserer Ankunft in Tokyo haben wir schon einen stolzen Berg an Papier angesammelt – hauptsächlich aufgrund der täglich hereinströmmenden Werbezettel, die uns bunt und mit vielen Tierchen bedruckt, ihre Produkte anpreisen. Leider kommen diese nicht gebündelt einmal am Tag, sondern werden von jungen Japanern auf Mopeds, die soweit wie möglich vor die Tür bzw. Postklappe fahren, um ja nicht gehen zu müssen, in den Briefkasten gesteckt. Wenn das geknattere auf der Straße zu hören ist und anschließend ein Schlurfen für die restlichen, mühselig zu erreichenden Schritte, dann ist wieder Werbeflut-Zeit. Ab und an bewahre ich einen Zettel auf und versuche mich an den Zeichen (eine Hand voll Kanjis, die wir beherrschen, reicht aber nicht wirklich aus). Auch wenn ich es schaffe, einige Wörter in Hiragana oder Katakana zu enträtseln, so kann ich noch lange nicht deren Bedeutung herausfinden. Sehr mühsam das Ganze, aber nur nicht aufgeben. Am kommenden Donnerstag fängt mein Japanischkurs in Yokohama an, dann kann ich meine bereits in Deutschland gestarteten Japanisch-Sprachkünste vertiefen und irgendwann vielleicht auch über das Stadium der Werbung-kann-ich-lesen-Zeit hinausgelangen. Drollig die Bemühungen der Verkäuferinnen im Einkaufsladen, wenn sie ganz aufgeregt „Amerikano“ rufen und – nach längerem Gewühle in ihren Unterlagen hinter dem Verkaufstresen – dann einen eigens für englischsprechende Kunden gedachten Werbezettel mit in die Tüte legen. Zuhause entpuppt sich dieser immer wie folgt: Überschrift oder oft nur ein Wort (wie Neu, Superangebot, Rabattwoche…) in Englisch, der Rest wie gehabt in Kanji und Hiragana. Das hilft uns leider nicht weiter, aber die Verkäuferinnen sind stolz für ihre gute Tat am Tag! Im Postamt konnte mir der Briefmarkenverkäufer, nachdem ich meinen dicken Brief (mit großen Katakana für Doitsu = Deutschland) drauf unter die Nase gehalten habe und er mit einem Schwall an Japanisch antwortete, mit zwei mühsam aus seinem Wissen herausgekramten Wörtern glänzen: „Lettttaaaaa“ und „Postukart“ rief er mir mit stolz glänzenden Augen anschließend entgegen. Nach ein, zwei Sekunden der Verwirrung habe ich auch (fast sofort ;o) verstanden, was der Mensch von mir wollte. Etwas irritiert, da mein dicker Brief so gar nicht nach „Postukart“ aussah…


2 Kommentare so far
Hinterlasse einen Kommentar

Da kannst du mal sehen, das Werbung auch für die Bildung elementar sein kann🙂

Kommentar von shirtklinik

genau, das muss man diesen Werbefuzzis mal sagen! Ich habe mir erst ein kleines Büchlein mit vielen beliebten Firmenmaskotchen geholt und studiere so japanisches Design :o))) sehr aufschlussreich…

Kommentar von maikaefer




Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: