Maikaefer's Weblog


Gut gefülltes Lager für den hoffentlich nicht (erneut) eintreffenden Notfall
Mai 23, 2011, 11:46 am
Filed under: Nach dem großen Beben


Der 11. März mit seinen Folgen hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Unsere schon zu Beginn unseres Japanexperimentes getroffenen Notfallmaßnahmen (großer Wasservorrat, Kopien der Reisepässe und japanischen Dokumente griffbereit, immer das Lebensmittellager auffüllen und einen Grundstock an lange haltbaren Futteralien horten sowie die Notfall-Latschen, die bei allen Haushaltsmitgliedern in der Nähe des Bettes deponiert sind) werden jetzt, nach den gemachten Erfahrungen optimiert.

Lebensmittel & Trinkwasser

Beim Einkaufen drängen sich Konserven und andere haltbare Lebensmittel mehr und mehr in den Vordergrund. Nudeln, eine zweite große Reispackung (die hier in Japan in 1kg-, 2kg-, 5kg- oder gleich 10kg-Packungen angeboten werden), genügend Mehl u.s.w. sowie die eh aus Deutschland mitgebrachten Leckereien lassen die Regale ächzen. Wasser war auch vorher schon auf Vorrat eingekauft worden, jetzt wird nur noch mehr auf ausreichend Nachschub geachtet.

Dokumente

Wie es ist, wenn mann fliehen muss und sein Leben hinter sich läßt, haben uns jahrelang Personen aus der Großelterngeneration aufgezeigt, wenn sie von den Kriegswirren berichteten. Wie haben wir ihr Verhalten manchmal belächelt, dass sie für schlechte Zeiten noch weit in den siebzigern und achtzigern Jahren Vorräte im Keller lagerten, oder es nicht nachvollziehen können, wenn meine Oma in ihrer metallenen „Präziosenkiste“ unter dem Bett wichtige Dokument und ihren Schmuck für alle Fälle griffbereit haben wollte. Nun, nachdem wir auch auf der Flucht waren, lachen wir nicht mehr darüber und sind darauf bedacht, dass alle wichtigen Dokumente (nicht nur die Reisepasskopien) entsprechend gesichert sind. In den Wochen des Deutschlandaufenthaltes, als wir unmittelbar nach Bekanntwerden des möglichen Atomdesasters Hals über Kopf Tokyo und später Japan verlassen mussten, fühlte es sich beruhigend an, das Wenige, was wir noch von unserem zurückgelassenen Leben in Japan mitgenommen hatten, in der Handtasche mit sich zu tragen.

Als ganz wichtig hat sich herausgestellt, dass die Impfpapiere und Einreisedokumente des Hundes mit auf der Flucht dabei sind. Daran hatten wir vorher überhaupt nicht gedacht. So muss, wenn es denn erforderlich sein sollte, für das Ausfliegen aus Japan der Hund die (mittlerweile vorbereiteten) Ausreisedokumente dabei haben. Unumgänglich ist ebenso die große Hundereisebox, da eine solche in der größtmöglich zu kaufenden Variante im Land der Zwergenhunde nicht ohne weiteres aufzutreiben sein wird. D.h. dass diese notfalls auf dem Dach des Autos mitfahren muss.So what.

Smartphone

Kein Weg mehr ohne iPhone! Und nicht zu vergessen: das Ladekabel. Wie uns der zwangsweise Aufenthalt im MC Donalds von Ōmiya (大宮, in Saitama) am Nachmittag und Abend des 11. März geleehrt hat, geht kein Japaner ohne sein Handy-Aufladekabel aus dem Haus. Wir jetzt auch nicht mehr. Und gleich dazu wurde im Elektrofachmarkt noch ein Ladeadapter für das Auto gekauft.

Außerdem

… achten wir jetzt darauf, dass das Auto stets gut betankt vor dem Haus steht, dass genügend Bargeld im Portemonaie lauert, haben mit anderen Mamies aus unserer unmittelbaren Nachbarschaft eine Liste mit Kontaktdaten ausgetauscht und der Absichtserklärung, dass wir uns und den Kindern gegenseitig helfen werden. Und es liegen Jodtabletten im Schrank für den Fall der Fälle der hoffentlich nicht eintreten wird.

Nicht das jetzt der Eindruck entsteht, wir würden hier in großer Aufruhr leben und vor lauter Angst einer erneuten Zuspitzung der atomaren Lage in Fukushima oder was auch immer auf gepackten Koffern sitzen. Trotz der kleineren Erdbeben in den letzten Tagen sind wir ganz entspannt, genießen das angenehme, weil noch nicht zu heiße und feuchte Wetter, sowie die grüne Vegetation hier in Tokyo und freuen uns auf ein weiteres Jahr zusammen mit unseren japanischen und deutschen Freunden.


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