Maikaefer's Weblog


Japanisch lernen im Japanisch-Seminar
April 27, 2012, 12:28 pm
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An dieser Stelle ist es Zeit für einen Text, den ich anlässlich des DSTY-Jahrbuches in 2011 verfasst habe:

Was haben wir uns anfangs schwer getan mit der Sprache, dem japanischen Habitus und den vielen, uns merkwürdig vorkommenden „höflich, höflicher und besonders höflichen“ Wörtern, die uns unnötig, fremd und irgendwie suspekt erschienen. Das es besonders attraktiv sein soll, seine Stimme Mickey Mouse-ähnlich zu verstellen, das man nicht direkt und unverblümt sagt, was man möchte. Und dann die ersten Sprachversuche im Supermarkt, an der Bahn etc., die meistens damit endeten, dass uns die Japaner gar nicht verstanden. Ganz abgesehen davon, das wir die darauf folgenden schwallartigen Antworten in den ersten Monaten auch selten verstanden. Was machen wir nur falsch? Bis die Erkenntnis dämmert, dass unsere Gegenüber, die wir einfach dreist, direkt und damit absolut unhöflich angesprochen haben (mitunter ohne die richtigen Höflichkeitsattitüden) mit uns überfordert schienen. Oft genug mussten wir bei harmlosen Fragen nach dem Bahngleis u.ä. in erschrockene, weit aufgerissene Augen verängstigter Japaner schauen, die wir zudem noch mit unseren europäischen Körpermaßen und unserer aufdringlichen Art verstört hatten.

Unerschütterlich hat uns unsere Seminarlehrerin wieder und wieder mit den wichtigsten Sprachregeln, den höflich korrekten Sätzen fürs Überleben in Japan vertraut gemacht. Was wir anfänglich nur irritiert über uns ergehen ließen, wurde nach und nach vertrauter. Die japanische Art zu reden, die wir oft genug belächelt haben (so desu ne), adaptieren wir so ganz allmählich. Die Arbeit unserer Lehrerin zeigt nach und nach Wirkung. Wenn auch langsam stellen sich nach monatelangem Lernen kleine Erfolge ein. Erstmals, nach einem halben Jahr Aufenthalt in Japan, verstehe ich die Kassiererin Wort für Wort. Immer mehr Kanji’s können wir auf Hinweisschildern entziffern. Stolz sind wir zwischenzeitlich in der Lage Buchungen für das Restaurant vorzunehmen, Arztbesuche auf Japanisch zu versuchen, im Taxi mit dem Fahrer Konversation zu betreiben, der Nachbarin ein paar nette Worte auf Japanisch mit auf den Weg zu geben und vieles mehr.

Auch wenn wir in den vergangenen Monaten, ganz ehrlich, oft genug das Lernen der japanischen Sprache aufgeben wollten, von kleinen Rückschlägen (wenn uns trotz der vielen Plackerei immer noch die scheinbar einfachsten Wörter partout im Einsatz auf der Straße nicht „einfallen“) und der mitunter auftretenden Frustration, lassen wir uns nicht aufhalten. Woche für Woche setzen wir uns wieder zusammen, lernen fleißig weiter, haben nach wie vor Spaß am Unterricht und den netten Kaffeepausen zwischendurch und bekommen immer mehr das Gefühl, die japanische Sprache so ganz allmählich, in klitzekleinen Schritten zu verstehen. Der Lohn für das monatelange Lernen sind die vielen kleinen Momente, in denen wir mittels japanischer Sprache auf freundliche Menschen treffen, das Gefühl bekommen, uns in dieser anfänglich so fremden Welt zurecht zu finden, mit der Sprache mehr und mehr umgehen zu können.

Wenn wir am Ende unseres Japanaufenthaltes zurückblicken auf die uns lieb gewonnenen Menschen, die japanische Kultur, das Erlebte und den Alltag, und merken, dass wir diese Zeit nicht mehr missen wollen. Dann wird klar, dass es zu einem Teil das Verdienst des Japanischen Seminars ist. Unsere Lehrerin ist nie an unserem Nichtkönnen verzweifelt, hat immer japanisch gelächelt und uns motiviert, weiter zu lernen. Und uns mit dem Erlernen der japanischen Sprache und dem Näherbringen der japanischen Kultur ein wichtiges Tor für eine tolle Zeit im Land der aufgehenden Sonne geöffnet.

ありがとうございました
arigatou gozaimashita


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