Maikaefer's Weblog


Rückkehr nach Deutschland — Japan ist plötzlich wieder ganz weit weg
Juli 16, 2012, 9:11 am
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… und doch immer noch präsent in meiner Erinnerung. Ach, was für eine schöne Zeit habe ich in Tokyo erlebt. Zweieinhalb Jahre, leider nicht mehr. Aber diese zweieinhalb Jahre hatten es in sich, diese Jahre habe ich sehr intensiv genossen und all die vielen Eindrücke, die die Metropole Tokyo so bietet, in mich aufgesogen. All die Kontakte zu den netten Menschen genossen, die ich in dieser Zeit kennen lernen durfte und all die netten Feste gefeiert und nicht zu vergessen die schönen Momente, in denen ich mit den Frauen aus dem Japanisch-Deutschen Verein „Am Brunnen“ etwas Einmaliges erlebt habe. Der Abschied aus Japan ist mir denn auch mit all den schönen Erlebnissen wahrlich nicht leicht gefallen. Doch was ist geblieben, was ist nach vier Monaten Deutschland-Wiedereinleben-Zeitspanne noch präsent?

Eigentlich alles. Die Vielfalt, die Geräusche der Stadt, die bunten Lichter, das Rattern der Bahn, das Gedränge auf dem Bahnsteig aber auch die Freundlichkeit der Menschen, der Service in den Geschäften und die Sauberkeit in der Stadt… Hier, im Norden Deutschlands, lebe ich derzeit ein komplett unterschiedliches Leben: in dörflicher Abgeschiedenheit fernab jeder Großstadt, mitten im Grünen und in der weiten Natur Norddeutschlands, in der bei jeder Joggingrunde nur die Kühe, die Störche, Eichhörnchen, Graureiher, Rehe und Füchse meine Wege kreuzen. An die Ruhe und die Abgeschiedenheit, an die wenigen Menschen um mich herum, die auch allesamt so wahnsinnig groß (eigentlich ganz normal norddeutsch groß) sind, aber nicht nur optisch so ganz anders als die Japaner sind. Immer noch überkommt mich z.B. im Supermarkt ein komisches Gefühl, wenn ich mich umschaue und voller erstaunen die überwiegend sehr großen Menschen um mich herum wahrnehme. Hier bin ich plötzlich nur irgendeine eher kleine Person, die nicht weiter auffällt. Ganz anders als vorher im Heer der Millionen Japaner, bei denen ich immer (so sehr ich mich auch um die Sprache bemüht habe) immer ein Gaijin blieb, immer etwas anders und oft auch größer als der Durchschnitt. Geh ich dagegen hier in Hamburg durch die Stadt, fällt mir nach einiger Zeit mein Metropolen-Benehmen unangenehm auf: Ich halte deutlich weniger Abstand zu den Menschen um mich herum, als hier gern gesehen wird. Laufe dicht im Gedränge auf, stelle mich in der Bahn wie selbstverständlich dicht an andere und falle somit unangenehm bei den Deutschen auf. Hier wird die „Persönlichkeitssphäre“ mit deutlich größerem Radius für sich in Anspruch genommen, als es in Tokyo z.B. in der Bahn der Fall ist. Auch habe ich mich das eine und andere Mal dabei ertappt, wie ich im Restaurant den Fragen der Bedienung mit einem wie selbstverständlich ausgesprochenen „hai“ antwortete. Somit wird klar, dass das Umstellen im Kopf (von „Leben in Japan“ auf „Leben in Deutschland“) nicht so schnell und nicht ohne weiteres erfolgt. Ich habe mehrere Monate benötigt, um hier wieder richtig „anzukommen“, nicht jeden Moment lieber die Koffer zu packen und zurück fliegen zu wollen. Erst jetzt, nach und nach, habe ich das Gefühl, mich hier wohl zu fühlen, wieder hierher zu gehören.

Jetzt, wo ich an meinem Schreibtisch in Norddeutschland sitze, spüre ich, dass Japan sehr, sehr weit weg ist. Es fühlt sich an, als ob ich ein Leben auf einem anderen Stern gelebt hätte. Manchmal erscheint es mir irreal, als ob ich aus einem Traum aufgewacht wäre und ich frage mich, ob ich das wirklich alles erlebt habe? Praktischerweise habe ich all die vielen bunten Erinnerungen in Form von Fotos auf meinem Laptop, die ich mir immer wieder gerne ansehe, habe viele japanische Gegenstände im Regal stehen, die meine Erinnerungen auffrischen, sowie Kontakte zu all den lieben Menschen, die mit mir ihre Zeit geteilt und in gemeinsamen Aktivitäten mit mir gelacht haben. Euch allen möchte ich noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön für die schönste Zeit in meinem Leben aussprechen.

Arigatou gozaimashita.
ありがとうございました。


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