Maikaefer's Weblog


Japanischer Trödelmarkt – Setagaya-Boroichi

Ein kultiger Flohmarkt – dichtes Gedränge und unhöfliches Geschubse inklusive – wartet in Setagaya am 15./16. Dezember und am 15./16. Januar auf Besucherströme.

世田谷ボロ市
12月15(火)・16(水) / 1月15(金)・16(土)
午前9時~午後9時

Über Shibuya nach Sangenjaya fahren wir ab dort zum Einheitspreis von 140 Yen mit einer kleinen langsamen Bummelbahn (ganze zwei Waggons), die ebenerdig fährt – allein das ist für Tokyoter Verhältnisse schon eine Sensation: eine eher nostalgisch anmutende, langsam fahrende Bahn, die weder ganz weit unten in der Erde noch auf Stelzen fährt!!!!!!!!

Von 9:00 bis 21:00 Uhr schleusen sich hunderttausende Menschen, viele neugierige Ausländer und noch mehr überwiegend ältere Japaner, durch die Straßen Setagaya’s und drängen sich um die Stände von alter Kleidung, Porzellan, antikem Trödel, Kimonos, Haushaltsgegenstände, Unterwäsche, Gürtel, Schuhe, Schmuck, Bonsai und andere Pflanzen, Küchengeräten, viel Gedöns und besonders vielen Fressbuden. Hier kann man mit den meisten Händlern um den Preis feilschen – was trotz der sprachlichen Defizite überraschend einfach von statten geht: den gewünschten Gegenstand hinhalten, den gewünschten Preis nennen (der natürlich deutlich von dem auf dem Etikett ausgezeichnetem Preis abweicht) und die Reaktion des Händlers abwarten. Entweder „Hai“ (ok) oder Kopfschütteln und nennen eines anderen Preises, zu dem der Händler die Ware abgeben möchte. So kann auch der sprachlich unbegabte Gaijin mit wenigen Brocken Zahlenwörter ganz gut auf japanisch handeln. Über 750 Stände sollen hier in den Gassen stehen, in der Mitte des Marktes steht ein altes, grau-braunes Holzhaus, Daikan-Yashiki (die ehemalige Residenz des Stadtverwalters) und ein kleiner Tempel.





Wie ‚Statler‘ und ‚Waldorf‘ (die zwei Opa’s von der Muppetshow, die von ihrem Logenplatz aus alles genauestens beobachten) stehen zwei Uniformierte auf einem rot-weiss umrandeten Balkon und schauen auf die Flohmarktbesucher hinab.

Ein Musikzug geht durch die Gasse und wird von einem Komitee besonders rüstiger Rentner begleitet – lauter Freiwilliger, die mit Armbinden gekennzeichnet sind und mit wichtiger Miene der Musikgruppe den Weg durch die Menschenmenge bahnen.

Die Tradition dieses Trödelmarktes, Boroichi, reicht schon mehrere Hundert Jahre zurück bis in die Edo-Zeit, als die Hojo-Sippe aus Odawara in Setagaya eine Pferde-Wechsel-Station errichtete für den Verkehr zwischen Odawara und Edo. Letzten Endes blieb aus dem anfangs steuerfreien Markt (der jeweils am 1., 6. 11. und 16. eines Montas abgehalten wurde) nur noch der Markt Mitte Dezember und Mitte Januar eines jeden Jahres übrig. Wurden ehemals von Bauern angefertigte Strohsandalen verkauft gibt es heute überwiegend Plastik, Keramiken, Stoffe etc. Das Wort „Boro“ bedeutet Lappen bzw. Lumpen und gab dem Markt seinen Namen. „Ichi“ steht für die Zahl 1 und rührt von den Tagen, an dem der Markt ehemals abgehalten wurde.

Trotz des sonnigen Wetters ist es in den überwiegend schattigen Gassen sehr kalt und nach vergeblicher Suche fahren wir zurück ins moderne Sangenjaya, um uns in ein warmes Café zu setzen und die Füße ein wenig wiederzubeleben.
















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