Maikaefer's Weblog


Museumswelt Tokyo

Tokyo Art Fair

Vor vier Wochen erhielten wir Freikarten von Norimichi Akagi-sensei (Professor an der Yokohama National University Fakultat for Education and Humanscience). Also machten wir uns am Samstag, den 30.07., auf den Weg nach Hibiya-Station und dann weiter 10 Minten zu Fuß zur Tokyo Art Fair.

Obwohl wir bereits Karten in der Hand hielten, mussten wir uns ans Ende der sehr langen Schlange anstellen. Anscheinend gab es nur den einen Weg – egal ob mit oder ohne Eintrittskarte. Dann mussten die bereits vorhandenen Karten vor dem Eingang noch gegen andere Eintrittskarten getauscht werden (immer schön umständlich und mit viel Schlange stehen, ganz japanisch ^.^) und ab ging es in das Gewimmel. Es erwarteten uns viele interessante Kunstwerke aber leider auch jede Menge Kitsch, von Objektkunst im Mangastil bis zu grauenvoll japanisch neumodisch und ohne großen Sinn für Handwerk und Geschmack.

Davon abgesehen aber hat sich der Tag für die geschätzten 30% echten Hingucker wirklich gelohnt. Auf dem Rückweg zur Bahn folgte noch ein kleiner Stadtbummel und so haben wir einen netten Nachmittag im sonnigen, aber nicht zu heißen Tokyo verbracht.






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Edo-Museum
Das hässlichste Museumsgebäude der Welt, das Edo-Tokyo-Museum (江戸東京博物館 Edo Tōkyō Hakubutsukan), das an die Architektur alter Speicherhäuser erinnern soll aber nur nach einer geschmacklichen Verirrung aussieht, ragt hoch über Ryōgoku im Sumida-ku (墨田区) im nord-östlichen Teil Tokyo’s. Es beherbergt im 5. und 6. Stock eine Ansammlung von Nachbauten und Holzmodellen aus der Edo-Zeit, den Nachbau der berühmten Nihonbashi (die Holzbrücke, die damals nach Edo hineinführte), den Nachbau des Nakamuraza Theaters (Nakamura Kanzaburō, 中村勘三郎), Zeitdokumente und veranschaulicht den Übergang von der Edo-Periode zur Meiji- und Shōwa-Periode — also die Entwicklung in die Moderne.

Am Eingang warnen mehrere Schilder davor, dass hier NUR ohne Blitzlicht fotografiert werden darf. Doch in der Ausstellung ist an jedem Objekt und vor jedem Nachbau ausdrücklich das Fotografieren MIT Blitz erlaubt. Es gibt viele Gelegenheiten, besonders für Kinder, selber auszuprobieren und sich einen lebendigen Eindruck der damaligen Zeit zu verschaffen. Erstaunlich, wie voll es schon damals (die Zeit der Edo-Periode ging von 1603 bis 1868; Edo war der Name der Stadt, die heute Tokyo heisst) auf Edo’s Straßen zuging. Zumindest vermitteln das die vielen Drucke der damaligen Zeit, die gezeigten japanischen Wandschirme (jap. 屏風 byōbu, wörtlich: Windwand) und die Modellbauten der Ausstellung.








Metropolitan Edo-Tokyo Museum
1-4-1 Yokoami, Sumida-ku, Tokyo
Tel.; 03-3626-9974
www.edo-tokyo-museum.or.jp
Ryōgoku-Station (JR Sobu Line, Oedo Line)

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Hitsuda Nobuya – einer der scheinbar seltenen japanischen Künstler, die sich der modernen Malerei verschrieben haben. Jedenfalls dominieren die alten europäischen Maler (Im- und Expressionisten in jedem wichtigen Museum als Sonderausstellung) und moderne japanische Malerei ist schwer in den Galerien und Museen zu finden. Um so größer war die Freude, als mir ein Infozettel zur Ausstellung im Seiji Tōgō Memorial Sompo Museum of Art in Shinjuku in die Hände fiel.

Das Museum liegt im 42. Stockwerk eines Firmengebäudes, mitten im Business-Viertel von Shinjuku (dort, wo die Straßen extrem sauber und fast schon „klinisch“ wirken und die Büromitarbeiter besonders großstädtisch wirken). Am Shinjuku-Bahnhof (JR-Line) kann man über Exit No. 1 die Station verlassen, quert die Straße in Richtung Westen am L-Tower und Cocon-Tower vorbei, nach wenigen Fußgehminuten sieht man in den Straßen bereits das hellgraue Gebäude aufragen, dass an einen etwas zu schmal geratenen Landmark-Tower (Yokohama) erinnert.

Mit einem Superschnell-Aufzug (sicherlich von Toshiba) geht es zu den Ausstellungsräumen. Der Eintritt ist mit 500¥ für die qualitativ hochwertigen Werke und dem Luxus, mit nur wenigen anderen Besuchern in den weitläufigen Räumen allein zu sein, sehr gering. Die Kunst ist genial, das Museum wirkt wie ein Relikt aus DDR-Zeiten, mitsamt abgetretenem Teppich, der wohl noch keine Reinigungsmittel kennengelernt hat. Die Beleuchtung ist spartanisch, der Teppich muffelt und dennoch können wir uns nicht satt sehen an den großformatigen Malereien.

Werk des japanischen Künstler’s Hitsuda Nobuya, der 1941 im Ota-ku das Licht der Welt erblickte.



Das Museumsgebäude ist nicht mehr auf dem Foto zu sehen. Es liegt ein bisschen weiter rechts – hinter dem L-Tower.
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National Art Center in Roppongi (国立新美術館 Kokuritsu Shinbijutsukan)


Ein beeindruckendes Gebäude mit einer Stahlsilhouette in Wellenform und eine noch beeindruckendere Vincent van Gogh-Ausstellung erwartete uns ca. 750 m nach dem Ausgang No.4 von Roppongi Station. Durch die japanischen Medien gingen seit dem 01. Oktober, dem Beginn der Ausstellung, immer wieder Meldungen von langen Warteschlangen vor dem Museum aufgrund der beliebten Ausstellung. Heute, an einem Donnerstag Mittag, hatten wir Glück — auch wenn sich die Masse der Japaner, die sich um die einzelnen Bilder drängte, für uns fast schon bedrohlich anmutete.

Die gezeigten Exponate im Eingang E waren eine Übersicht des Schaffens van Gogh’s, von Anbeginn an, die Entwicklung zeigend bis hin zu den berühmten Spätwerken. Gut gemacht das Ausstellungskonzept, es wurden zeitgenössische Künstler ebenso gezeigt, um die Enwicklung des künstlerischen Schaffens van Gogh’s zu verdeutlichen.

Das National Center of Art, eröffnet am 21. Januar 2007 und nach Plänen des Architekts Kisho Kurokawa errichtet, besitzt keine eigene ständige Sammlung, sondern konzentriert sich auf die Betreuung als Veranstaltungsort für diverse Kunstausstellungen. Es ist in gemeinsames Projekt des Amtes für kulturelle Angelegenheiten und der Institution „Staatliche Museen Unabhängiger Verwaltungssenat“. Auf über 47.960 m² Nutzfläche auf einem 30.000 m² großen Grundstück mitten im Herzen Tokyo’s werden auf insgesamt fünf Stockwerken Malerei des 20. Jahrhunderts und moderne Kunst gezeigt.

Von der Nogizaka Station auf der Tokyo Metro Chiyoda Line aus gibt es einen direkten Zugang zum Museum. Über Roppongi-Station (Exit 4 oder 7) ist das Museum in wenigen Minuten gut zu erreichen.

Van GOGH: The Adventure of Becoming an Artist
October 1 − December 20, 2010
7-22-2 Roppongi, Minato-ku, Tokyo, 106-8558, Japan
Tel: +81-3-5777-8600 (Hello Dial)

http://www.nact.jp/english/index.html

10:00 − 18:00 (Friday 10:00 − 20:00) Last admission 30 minutes before closing
Tuesdays [Tuesdays that fall on a holiday will be open; the Center will be closed the following day]
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Das Nezu Museum in Minami-Aoyama

Das im vergangenen Jahr nach Plänen des japanischen Stararchitekten Kuma Kengo umgebaute Nezu Museum bietet neben einer gelungenen Mischung von japanischer Tradition und moderner, westlicher Bauweise den Ausstellungsstücken einen passenden, würdevollen Rahmen. Der Bambusweg, der von der Omotosando aus kommend zum Museum führt, schottet die Museumswelt von der Metropole ab und bringt den ersten Wow-Effekt.

Die Sammung des bedeutenden Geschäftsmannes Nezu Kaichiro (1860-1949) umfasst mehr als 7.000 Objekte aus den Bereichen Kalligraphie, Malerei, Bildhauerei, Keramik, Lack, Metall, Bambus Kunsthandwerk und Textilien. Chinesische Bronzen (z.T. um die 1.700 v.Chr. erstellt) wie auch japanische Gemälde und das berühmte Schwertlilien-Falten-Gemälde aus dem 17. Jahrhundert von Ogata Korin.

Der Sammler Kachiro war begeisterter Prakitker des Weges des Tees. Passend dazu der wunderschön angelegte japanische Garten mit vier Teehäusern und einem sehr einladendem, modern eingerichtetem Café.

Nezu Museum
6-5-1 Minami-Aoyama Minato-ku, Tokyo 107-0062 Japan
Tel.: 03-3400-2536

http://www.nezu-muse.or.jp/en/about/index.html

Eintritt 1,200 Yen
Schüler / Studenten 1,000 Yen



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Taro Okamoto Memorial Museum

Von japanischer Eleganz zum knallbunten abstrakten Avantgardismus – nur wenige Straßenecken weiter befindet sich unser nächstes Ziel: Anschließend ging es weiter zum nahegelegenen, deutlich kleinerem und einem völlig anderen Stil unterworfenen Taro Museum, das das umgebaute ehemalige Atelier des 1996 84 jährig verstorbenen Künstlers ist. Schon beim Anblick des kleinen Innenhofes wird schnell klar: Hier muss irgendein durchgeknallter, lustiger japanischer Künstler sein Unwesen getrieben haben.

Nach einiger Zeit wird klar: Viele Werke kommen uns sehr bekannt vor. Entweder aus Kunstbüchern, von Bahnstation in Tokyo oder aus dem Stadtbild – Taro’s Objekte tauchen regelmäßig wieder auf. Das kleine Café sieht interessant aus und bietet auch Sitzgelegenheiten im Innenhof.

13-9 Ueno Park Taito-ku, Tokyo
Tel.: 03-3406-0801
http://www.taro-okamoto.or.jp/

Erwachsene: 600 Yen
Schüler / Studenten: 300 Yen












3 Kommentare so far
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Das Tokyo-Edo -Museum habe ich 2007 auch gesehen und fand es wirklich toll. Danke für die schöne Erinnerung.

Kommentar von tonari

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